Press Release (DE)

 

EU-Förderung für länderübergreifende Initiative gegen Hate Speech im Netz

 

Antwerpen, Belgien, Mai 19, 2020

Im Zuge der COVID-19-Pandemie spricht UN-Generalsekretär Guterres von einer „Flutwelle” an Rassismus und Verschwörungstheorien innerhalb und außerhalb des Internets und ruft dazu auf, Hasskommentare weltweit zu bekämpfen. Im internationalen Projekt DeTACT, das hierzu einen Beitrag leisten möchte, kooperieren Universitäten, Tech-Unternehmen, NGOs und Bürger*innen in Belgien, Deutschland und den Niederlanden unter Beratung von Expert*innen aus den Bereichen Sicherheit, Recht und Ethik, um Hate Speech im Netz zu kontern. Die Initiative wird durch das Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ (REC) der Europäischen Union gefördert.

Die Zahl der Hasskommentare im Internet ist deutlich angestiegen, insbesondere als Antwort auf die Flucht- und Migrationsbewegungen der letzten Jahre. Sozialen Netzwerken wird häufig vorgeworfen, als Echokammern zu fungieren, die dazu verleiten, radikalere Ansichten zu äußeren, als dies bei Face-to-face-Gesprächen der Fall ist. Als Konsequenz prägen Hasskommentare heute den öffentlichen Diskurs online in Bezug auf verschiedenste Themen. Gerade in Deutschland hat zum Beispiel extremistische Propaganda in den sozialen Medien, die offen zur Gewalt gegen Geflüchtete aufruft, stark zugenommen. Auch Europol berichtet, dass sich gewalttätiger Extremismus verbreitet, der „zum Teil von der Angst vor einer wahrgenommenen Islamisierung der Gesellschaft und der Angst vor Migration genährt wird“.

DeTACT (detact.net) zielt darauf ab, menschliche Bemühungen mit Künstlicher Intelligenz zu kombinieren, um Hate Speech im Netz zu beobachten und Kampagnen zu schaffen, die eine positive Antwort auf Hasskommentare darstellen. In diesen Kampagnen werden User*innen, die Hasskommentare im Netz beobachten, ermuntert, selbst Stellung zu beziehen. Es geht darum, Bürger*innen mit dem richtigen Rüstzeug auszustatten, das ihnen ermöglicht, sich gegen Meinungsverschiedenheiten, Falschinformationen, Konflikte, Mobbing, Rassismus und Sexismus in den sozialen Netzwerken einzusetzen.

Mit Hilfe von Technologien, die in der Lage sind, toxische Kommentare automatisiert zu identifizieren, können engagierte User*innen mithelfen, stark polarisierende Diskussionen selbstregulierend zu entschärfen. Gleichzeitig wird das Projekt gemäß den Vorgaben der EU für soziale Medien und Tech-Unternehmen auch illegale Fälle von Extremismus und Radikalisierung melden.

Detect Then ACT (DeTACT): “Taking Direct Action against Online Hate Speech by Turning Bystanders into Upstanders”

Während das belgische Tech-Unternehmen Textgain und die Universität Hildesheim an neuen sprachtechnologischen Verfahren arbeiten, um illegale Inhalte in verschiedenen europäischen Ländern identifizieren zu können, wird die NGO Media Diversity Institute hunderte von User*innen trainieren, die sich gegen Hass im Netz einsetzen möchten. Hierbei geht es darum, zu vermitteln, wie Kommentare konstruktiv gekontert werden können, sowie um den Aufbau von kritischem Denken und Widerstandsfähigkeit. Beraten wird das Media Diversity Institute dabei von Forscher*innen der Universität Antwerpen und der niederländischen Forschungs- und Beratungsagentur EMMA. Gleichzeitig schult die belgische Karel de Grote Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Kunst Dutzende von Kunststudierenden europaweit darin, Memes zu entwerfen, die verwendet werden können, um entmenschlichende Propaganda in den sozialen Medien auf nicht-beleidigende Art zu kontern.

Ziel der Initiative ist es, der Bevölkerung zu zeigen, welche Möglichkeiten sie besitzt, um sich gegen die Polarisierung im Netz einzusetzen.

Die Projektlaufzeit beträgt 24 Monate (September 2019 – August 2021). Mehr Informationen über das EU-Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ (REC) können Sie der Horizon-2020-Webseite entnehmen.

Wenn Sie mehr zum Projekt erfahren wollen, kontaktieren Sie den Projektkoordinator Gijs van Beek (gijs@textgain.com) oder alternativ die Zuständige der Universität Hildesheim, Sylvia Jaki (jakisy@uni-hildesheim.de).